Der Herbst ist da!

Schon zwei Monate sind wir jetzt in Schweden! Es wird zunehmend kühler und windiger, nachts rückt die Temperatur schon mal an den Gefrierpunkt ran. Auf einem morgendlichen Spaziergang durch den Wald finden Nils und Klaus sogar einen umgestürzten Baum. Aber nach zwei, drei Tagen mit viel Regen und Wind zeigt sich der Herbst von seiner schönen Seite. Auf dem Weg zur Schule steht der Nebel immer dicht über dem Boden, bis sich die Sonne im Laufe des Vormittags durchsetzt.

Herbst Wir lernen immer mehr schöne Ecken von Stockholm kennen: Im Skansen, dem ältesten Freiluftmuseum der Welt, findet alljährlich Ende September der Herbstmartkt statt. Volksmusik, Spiele, Tänze, Trachten, Tiere und kulinarische Leckereien versetzen einen in frühere Zeiten. Praktisch: Man kann seinen auf offenem Feuer gebratenen Pfannkuchen auch mit Karte zahlen. Und auch die Darsteller können es nicht lassen, ab und zu ihr Samrtphone herauszuziehen. Das steckt in den Schweden einfach so drin. Die Bären, die wir letztes Jahr noch als kleine Teddies erlebt haben, sind jetzt schon kräftig herangewachsen. Mit unserer Jahreskarte in der Tasche freuen wir jetzt schon auf den Weihnachtsmarkt und auf Mittsommer im Skansen.

Volksmusik im SkansenAuch wenn wir die Altstadt jetzt schon ganz gut kennen, haben wir uns einer deutsch-sprachigen Führung angeschlossen. Man sieht nochmal neue versteckte Ecken und Winkel, z.B. die schmalste Straße der Stadt, Mårten Trotzigs gränd, streckenweise 90 Zentimeter breit. Warum slussen, der Übergang vom Mälaren zur Ostsee auch „Scheidungsschleuse“ genannt wird, hören wir bereits zum wiederholten Mal. Auch das Gerücht, dass die rote Farbe des historischen Kaufmannshauses am stortorget, schräg gegenüber des Nobelmuseums, vom Blutbad 1520 stammt, ist eben nur ein Gerücht.

StortorgetAm Wochenende zuvor haben wir den Hagapark erkundet. Im „Garten der Kronprinzessin“ findet gerade einer der vielen Volksläufe statt. Dieser ist nur für Frauen! Viktoria ist wohl nicht mitgelaufen. Ansonsten ist dies ein wunderschöner Park mit großen Wiesen und Waldflächen, mitten in der Stadt und natürlich mit Zugang zum Wasser. Den Besuch des Schmetterlingshauses heben wir uns noch für später auf. Wir sind noch vom Genuss des belegten Brotes für umgerechnet 8,50€ etwas geschockt. Nächstes Mal wieder: genug Proviant einpacken!

HagaparkAnsonsten findet der Alltag statt: Die ersten Klassenarbeiten werden vorbereitet, geschrieben, und korrigiert. Diverse Aktivitäten wie Kinderchor, Reiten, Fußball  Tanz-AG, Video-AG, Musizieren usw. füllen die Woche schnell aus. Mal sehen, was das nächste Wochenende so bietet.

 

Über Stockholms Dächern

Heute ist es soweit! Der GZG-Gutschein wird eingelöst: Die Dächerwanderung in Riddarholmen. Gut, dass versehentlich zwei Tickets gebucht wurden, so konnten wir diese außergewöhnliche Stadtführung zu zweit erleben.

Nach einem gemütlichen Picknick in Rosendals Trädgård – mitten auf Djurgården gelegen – finden wir uns pünktlich an der Statue von Birger Jarl auf Riddar Holmen ein. Wir werden von zwei netten „Bergführern“ begrüßt und eingewiesen. Dann geht es ins Innere des ehemaligen Reichstagsgebäudes und drinnen hoch bis unters Dach. Hier bekommen alle zehn Teilnehmer ihre Gurte und Helme.

Dächerwanderung

Dann geht es hinaus aufs Dach. Wir sind alle mit einer Art „Hundeleine“ an einem Führungsdraht gesichert. Die Strecke ist mit 300 Meter Länge nicht allzu weit. Dafür ist die Aussicht aber spektakulär. An mehreren Plattformen wird Halt gemacht und auf sehr amüsante Weise Wissenswertes über die Stadt und ihre Geschichte erzählt. Unter uns dröhnt der Verkehr, wir sehen die Teilnehmer des Halbmarathons über die Brücke bei Slussen laufen. Im Westen strahlt vom Mälaren her die Abendsonne.

Dächerwanderung

Wir wissen jetzt, woher einige Sprichwörter (wie der „Alte Schwede“ oder der „Schwedentrunk“) kommen, warum in der Schleuse schon viele Ehen zu Bruch gingen und dass Stockholm die einzige Hauptstadt mit Überflugrechten für Heißluftballons ist. Der Führer ist ausgezeichnet informiert, erfährt aber doch erst von uns, dass der Prinz sich soeben verlobt hat. Da wir als Heidelberger aus der Geburtstadt der Königen kommen, können wir natürlich Spezialwissen liefern.

Dächerwanderung

Die Stunde geht wie im Fluge vorbei. Anschließend melden wir uns gleich per skype bei der GZG (Geschenke-Zwangs-Gemeinschaft) in Deutschland, die uns dieses Erlebnis ermöglichte.

Kanufahren

Meine ersten Schweden-Erlebnisse waren die großen Kanutouren, die ich im Jahre 1993 in Dalsland und Värmland gemacht habe. Jetzt haben wir es nach 2 1/2 Wochen Schule endlich mit der ganzen Familie geschafft.

Wir starten bei (wieder) herrlichem Spätsommerwetter in Åkersberga am Kanal. In zwei großen Aluminuim-Kanus geht es dann nördlich, zunächst durch den Ort. An der Schleuse, die nicht in Betrieb ist, müssen die Kanus kurz umgesetzt werden.

An der Schleuse

An der Schleuse

Dann geht es weiter. Vorbei an den herrschaftlichen Wochenend-Häusern betuchter Schweden. Der Kanal weitet sich jetzt zum See. Nach einigen Kilometern machen wir eine Mittagspause an einer offiziellen Raststelle.

KanufahrenNach der notwendigen Stärkung erkunden Klaus und die Kinder noch die kleine Insel, die gegenüber mitten im See liegt. Badenderweise In das doch recht frische Wasser traut sich aber nur einer! Später geht es wieder zurück. Den leichten Gegenwind spürt man gleich in den Armen. Gegen 17 Uhr geben wir erschöpft aber glücklich die Kanus wieder ab!